Es war ein mit Spannung erwarteter Auftritt, knapp 24 Stunden nach der Bekanntgabe seiner Vize: Zum ersten Mal sind Joe Biden und Kamala Harris zusammen als designierte demokratische Kandidaten für das Weiße Haus vor die Kameras getreten. In Wilmington (in Bidens Heimatstaat Delaware) umrissen beide ihre Vision eines Amerikas nach Donald Trump – und gingen mit diesem hart ins Gericht.

“Jammern ist, was Donald Trump am besten kann”, sagte Biden bei Auftritt, der nach strengen Social-Distancing-Regeln ablief. Auch hier lieferten die Demokraten einen klaren Kontrast zu den Auftritten des Amtsinhabers. “Ist irgendjemand überrascht darüber, dass er ein Problem mit einer starken Frau hat”, fragte Biden weiter. Der amtierende Präsident hatte Harris unter anderem als “fies” (“nasty”) bezeichnet, eine Wortwahl, die er häufig in Bezug auf Frauen verwendet.

Biden hatte Harris am Dienstag zum sogenannten Running Mate gemacht. Die 55-Jährige könnte als erste Frau und erste Schwarze Vizepräsidentin der USA werden. Beim Auftritt in Wilmington waren beide demonstrativ um Geschlossenheit bemüht. Immerhin hatte Harris im demokratischen Vorwahlkampf mit einigen verbalen Attacken auf den früheren Vize von US-Präsident Barack Obama aufhorchen lassen.

Doch davon war nun keine Rede mehr. Stattdessen lieferten beide eine schonungslose Analyse zum Zustand des Landes inmitten einer Virus-, Gesellschafts- und Wirtschaftskrise.

Biden legte als erster Redner vor: Er und Harris wollten nach der Wahl den “Schlamassel” beseitigen, den Trump in seiner Amtszeit in den USA und der Welt angerichtet habe. Die Präsidentenwahl im November sei ein lebensverändernder Moment für Amerika, ein Wendepunkt, der den Weg des Landes auf Jahre bestimmen werde, betonte er.

Harris sagte: “Alles, was uns wichtig ist (…), es steht alles auf dem Spiel”. Sie fügte hinzu: “Amerika schreit nach Führung.” Trump sei ein Präsident, der sich mehr um sich selbst als um die Menschen kümmere, die ihn gewählt hätten. “In nur 83 Tagen haben wir die Chance, eine bessere Zukunft für unser Land zu wählen.”

Vor allem der Umgang mit dem Virus war ein Angriffspunkt

Harris verwies auf die Reaktion der USA auf den Ebola-Ausbruch in Westafrika 2014: “Damals haben Barack Obama und Joe Biden ihren Job gemacht”. Eine konsequente Reaktion der USA, die auch andere Staaten mitgezogen hatte, hatte damals eine weitere Ausbreitung des Virus verhindert.

“Vergleichen Sie das mit der heutigen Lage”, so Harris. Andere Länder bekämpften das Virus, der amtierende Präsident bewerbe angebliche Wundermittel, die er auf Fox News gesehen habe. Damit dürfte sie auf die wiederholten Hinweise Trumps auf ein Malariamittel anspielen, das laut Medizinern nicht gegen das Coronavirus hilft.

“Es gibt einen Grund, dass das Virus Amerika so hart trifft: Trump hat das Problem nie ernst genommen”, sagte die Demokratin weiter. Das Verhalten des Präsidenten sei der Grund, dass alle 80 Sekunden eine Person in Amerika an den Folgen des Virus sterbe. “Das passiert, wenn wir jemanden wählen, der der Aufgabe einfach nicht gewachsen ist”, sagte Harris.

In den USA wurden mehr als fünf Millionen Corona-Erkrankungen registriert – rund ein Viertel der weltweiten Fälle. Mehr als 165.000 Menschen starben. Die USA wählen am 3. November einen neuen Präsidenten. Derzeit liegt Biden national, aber auch in den meisten wahlentscheidenden Swing States laut Umfragen vorn.

Icon: Der Spiegel

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