Juan Antonio Hernández, genannt »Tony«, ist in den Vereinigten Staaten unter anderem wegen Kokainschmuggels zu lebenslanger Haft plus 30 Jahren verurteilt worden. Der 42-Jährige ist der Bruder des Präsidenten von Honduras, Juan Orlando Hernández.

Wie die Staatsanwaltschaft in New York mitteilte, werden die Einnahmen des Verurteilten aus dem Drogenhandel in Höhe von mindestens 138,5 Millionen US-Dollar (rund 118 Millionen Euro) eingezogen.

»Tony« Hernández war 2018 am Flughafen von Miami festgenommen worden. Bereits im Oktober 2019 hatte ihn ein Gericht in New York unter anderem wegen groß angelegten Drogenhandels verurteilt. Auch seinem Bruder, dem Präsidenten von Honduras, warf die Staatsanwaltschaft eine Beteiligung am gewalttätigen, staatlich geförderten Drogenschmuggel vor. Juan Orlando Hernández war allerdings nicht angeklagt.

Der frühere Parlamentsabgeordnete »Tony« Hernández war laut Staatsanwaltschaft zwischen 2004 und 2018 am Schmuggel von mindestens 185 Tonnen Kokain in die USA sowie an mindestens zwei Morden beteiligt. Er kontrollierte demnach zwei Kokainlabore in Kolumbien und Honduras, verkaufte Drogenhändlern Maschinengewehre des Militärs und leitete Millioneneinnahmen aus dem Drogenhandel an seine Partei, die konservative Partido Nacional, weiter.

Er habe außerdem Schmiergeldzahlungen vermittelt – darunter im Jahr 2013 eine Million Dollar vom mexikanischen Drogenboss Joaquín »El Chapo« Guzmán für den Präsidentenwahlkampf von Juan Orlando Hernández. Der ältere Hernández gewann die Wahl und ist seit 2014 Staats- und Regierungschef des mittelamerikanischen Landes.

Vor der Verkündung des Strafmaßes in dem Prozess gegen seinen Bruder schrieb der Staatschef auf Twitter, er erwarte »schmerzhafte« Nachrichten aus New York. Er wiederholte seine Vorwürfe, wonach der Hauptzeuge in dem Verfahren gelogen habe.

Erst am 22. März war ein weiterer Honduraner, Geovanny Fuentes, in New York wegen Drogenhandels sowie Waffendelikten für schuldig befunden worden. Bei dem Gerichtsprozess sagte ein Zeuge laut Medienberichten, Präsident Hernández habe die USA mit Kokain überfluten wollen. Der Politiker weist alle Vorwürfe zurück.

Honduras’ Präsident hatte sich offiziell stets an die Seite der USA im Kampf gegen den Drogenhandel und illegale Immigration in die USA gestellt. Das Urteil und seine Implikationen könnten die Bemühungen der neuen US-Administration unter US-Präsident Joe Biden unterlaufen, die Ursachen der Zuwanderung aus Mittelamerika in die Vereinigten Staaten mit Investitionen in Milliardenhöhe in der Region zu bekämpfen.

Drogenboss Joaquín Guzmán war 2019 in New York ebenfalls zu lebenslanger Haft plus 30 Jahren verurteilt worden. Er sitzt in einem Hochsicherheitsgefängnis im US-Bundesstaat Colorado.

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