1. Träume

“Der Traum in uns”: Unter diesem Motto präsentiert sich Norwegen als Gastland der diesjährigen Buchmesse. Die Worte entstammen einem Gedicht des beliebten norwegischen Dichters Olav H. Hauge (1908-1994). 510 Bücher sind im Zusammenhang des Gastlandauftritts auf Deutsch erschienen (oder kommen noch in diesem Jahr heraus). Erika Fatland und Karl Ove Knausgård sprachen als literarische Redner bei der Eröffnungsfeier. Ganz im Sinne des Mottos präsentiert sich die minimalistisch anmutende Gestaltung des Gastland-Pavillons, in dem Spiegel Weite suggerieren: viel Raum für “den Traum in uns”.

2. Literaturzug

Norwegen kann sich über eine ganz besondere Botschafterin für seine Literatur freuen. Kronprinzessin Mette-Marit reiste zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse gemeinsam mit ihrem Mann, Thronfolger Haakon, und einer ganzen Reihe norwegischer Schriftstellerinnen und Schriftsteller im Zug an. Mit an Bord waren unter anderen Maja Lunde (“Die Geschichte der Bienen”), Herbjorg Wassmo (“Das Buch Dina”) und Jostein Gaarder (“Sofies Welt”).

Kronprinzessin Mette-Marit(l.) und Autorin Herbjorg Wassmo sitzen nebeneinander im Zug (picture-alliance/dpa/J. Kalaene)

Kronprinzessin Mette-Marit (l.) und Autorin Herbjorg Wassmo im Literaturzug

3. Die frisch gekürte Literatur-Königin

Fünf Tage nach ihrer Auszeichnung mit den höchsten literarischen Ehren der Welt spricht die Polin Olga Tokarczuk zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse darüber, wie sie sich fühlte, als sie im Auto auf der Strecke zwischen Berlin und Bielefeld von ihrer Nobelpreis-Ehrung erfuhr: “Ich war vollkommen unvorbereitet und weitgehend fassungslos.” Und sie kommentiert die politische Lage in ihrer Heimat nach der Wahl: “In Polen tobt im Moment eine Art Kulturkrieg.” Olga Tokarczuk wird sich in diesen Tagen unendlich vielen Gesprächen und Interviewfragen stellen müssen.

Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk unter einem Logo der Frankfurter Buchmesse (Reuters/R. Orlowski)

Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk auf der Frankfurter Buchmesse

4. Deutscher Buchpreis

Der Deutsche Buchpreis gehört streng genommen nicht zur Buchmesse, bildet aber seit 15 Jahren immer den Auftakt in die Messe-Woche. Die Shortlist-Autorinnen und -Autoren und natürlich vor allem der Preisträger oder die Preisträgerin gehören zu den Stars der Messe, um die sich die Debatten kristallisieren. Saša Stanišić, der in diesem Jahr ausgezeichnet wurde, hat bei der Preisverleihung eine hochpolitische und sehr berührende Rede gehalten und sich heftig gegen den Nobelpreis für Peter Handke ausgesprochen. Handke, der sich die Wirklichkeit so zurechtlege, dass dort nur noch Lüge bestehen. “Das soll Literatur eigentlich nicht.” Die Diskussion, ob man das Werk von seinem Autor trennen dürfe, kochte schon vor dem eigentlichen Messe-Start hoch.

5. Literatur-Gala der Stars

Leipzig hatte es schon lange, Frankfurt wollte es auch haben: das große Stelldichein von Autoren bei Lesungen und Performances parallel zur Messe. Im zweiten Jahr kommen deutsche und internationale Stars zum “Buchfest”, um aus ihren Werken zu lesen: die frisch gekürte Booker-Preisträgerin Margaret Atwood, Maja Lunde, Elif Shafak und Colson Whitehead stellen ihre neuen Bücher vor. Der britische Welt-Bestseller-Autor Ken Follett präsentiert seine Aktion “The Friendship Tour”, mit der er ein Zeichen gegen den Brexit setzen will. Der Förster und Baum-Versteher Peter Wohlleben liest im Frankfurter Palmengarten, und Krimi-König Jo Nesbø spricht über “Messer”. 

Ken Follett (picture-alliance/dpa/A. Dedert)

Auch Bestseller-Autor Ken Follett kommt zur Frankfurter Buchmesse

6. Menschen- und Freiheitsrechte

“Die Freiheit des Wortes ist Grundlage unserer Demokratie und nicht verhandelbar”, betonte der scheidende Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Heinrich Riethmüller. Wie schon in den letzten Jahren engagiert sich die Messe für verfolgte und inhaftierte Kunst- und Kulturschaffende. “In vielen Ländern müssen etwa Autorinnen und Autoren, Verlegerinnen und Verleger, Buchhändler und Buchhändlerinnen Repressalien fürchten oder werden eingesperrt, wenn sie von ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch machen”, sagte Riethmüller. “Das nehmen wir nicht hin!” Beispielhaft für den Protest ist eine Mahnwache für den Hongkonger Verleger und Buchhändler Gui Minhai, der vor vier Jahren von Agenten der Pekinger Regierung verschleppt wurde und dessen Aufenthaltsort bis heute nicht bekannt ist. Am Donnerstag werden sich viele Regenschirme auf der “Agora”, dem zentralen Platz der Messe, versammeln – auch bei schönstem Sonnenschein, als Mahnwache für die Freiheitsrechte.

Frankfurter Buchmesse - Eröffnung (picture-alliance/dpa/F. Rumpenhorst)

Norwegens Ministerpräsidentin Erna Solberg hält ihre Rede zur Eröffnung neben dem diesjährigen Slogan der Buchmesse: Mach deine Revolution

7. Kunst und Revolution

“Create your Revolution”, unter diesem Motto stellt die Buchmesse Menschen in den Mittelpunkt, die “den Herausforderungen unserer Zeit mit revolutionären Ideen begegnen”. Der Initiative haben sich verschiedene Organsationen und Medien angeschlossen, darunter auch die Vereinten Nationen. “The Arts+” ist schon seit 2016 Teil des Messeauftritts, in diesem Jahr schließen sich Künstler und Gestalter der Präsentation revolutionärer Ideen an. Live Events, Social Media-Kampagnen und Video-Diskussionen sollen den globalen gesellschaftlichen Diskurs intensivieren. Mit von der Video-Partie: Ai Weiwei im Gespräch mit der deutschen Journalistin und Fernsehmoderatorin Nazan Gökdemir.

8. Mensch-Gemachtes

Ist das Anthropozän, das vom Menschen bestimmte Zeitalter, das letzte? Mikroplastik, Überfischung, Bodenversiegelung – das klingt nicht unbedingt nach Themen, mit denen sich Literaturinteressierte auf einer Buchmesse beschäftigen würden. Falsch gedacht, das Verhältnis von Kultur und Natur ist eines der Schwerpunktthemen der Buchmesse 2019. Dabei geht es um Künstliche Intelligenz, die Beziehung des Menschen zur Natur, Hilflosigkeit oder Hoffnung bei einem Leben mit dem Klimawandel – und vor allem um Bewusstsein und die Frage, wie es geformt wird.

9. Preise

Sage und schreibe 93 Preise werden auf der Frankfurter Buchmesse vergeben. Der “Hessische Schülerzeitungspreis” gehört dabei sicherlich nicht zu den prominentesten, eher schon die “Goldene Schallplatte” für ein Audio-Buch. Vor allem aber der “Raif Badawi Award” für mutigen Journalismus, den in diesem Jahr die unerschrockene Hanène Zbiss aus Tunesien erhält. Mit Spannung erwartet wird auch die “Hotlist”-Preisverleihung, bei der live und öffentlich zehn Bücher von unabhängigen Verlagen gewählt und drei davon mit Preisen ausgezeichnet werden. Noch wichtiger ist der neue Verlagspreis, der an diesem Buchmessen-Freitag abends zum ersten Mal vergeben wurde.

Sebastião Salgado steht vor einer seiner Fotografien (picture-alliance/dpa/C. Brun)

Sebastião Salgados Fotografien sind weltberühmt

10. Friedenspreis für einen Fotografen

Der allerwichtigste Preis aber ist der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, den der Börsenverein seit 1950 verleiht. An diesem Sonntag, dem 20. Oktober und letzten Tag der Buchmesse, erhält ihn mit Sebastião Salgado erstmals kein Autor, sondern ein Fotograf. Der Brasilianer erzählt mit seinen Bildern Geschichten aus mehr als 120 Ländern: von Goldgräbern im Amazonas, dem Völkermord in Ruanda oder von den Spuren des Klimawandels.

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